
Mit dem VDA ISA 2027 wurde der Fragenkatalog für TISAX® weiterentwickelt. Der VDA ISA-Katalog ist die Grundlage für TISAX®-Assessments und beschreibt die Anforderungen an Informationssicherheit in der automobilen Lieferkette. Die neue Version soll Anforderungen klarer formulieren, internationale Standards stärker berücksichtigen und die Vergleichbarkeit von Assessments verbessern.
Für Unternehmen, die bereits TISAX®-zertifiziert sind oder sich auf ein künftiges Assessment vorbereiten, ist das relevant. Denn es geht nicht nur um einzelne Dokumente, sondern um Prozesse, Verantwortlichkeiten, Lieferantensteuerung und belastbare Nachweise.
Stärkere Anbindung an internationale Standards
Der VDA ISA 2027 wurde an die ISO/IEC 27001:2022 angepasst. Zusätzlich wurde eine Zuordnung zum NIST Cybersecurity Framework 2.0 integriert.
Das ist vor allem für Unternehmen interessant, die bereits ein Informationssicherheitsmanagementsystem aufgebaut haben oder einzelne Sicherheitsprozesse an ISO/IEC 27001 ausrichten. Bestehende Strukturen können dadurch besser mit den Anforderungen aus TISAX® abgeglichen werden.
Präzisere Anforderungen
Viele Controls wurden überarbeitet und konkreter gefasst. Der VDA nennt unter anderem die Reduzierung von Interpretationsspielräumen, die Überführung einzelner Empfehlungen in verbindliche Anforderungen sowie Anpassungen an den aktuellen Stand der Technik, etwa bei Passwortsicherheit oder bei Organisationen mit hohem Schutzbedarf. Für die Praxis bedeutet das: Unternehmen sollten nicht nur prüfen, ob Richtlinien vorhanden sind. Entscheidend ist, ob die Anforderungen tatsächlich umgesetzt, nachweisbar dokumentiert und organisatorisch verankert sind.
Lieferantenmanagement rückt stärker in den Fokus
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Lieferkette. Unternehmen müssen transparenter nachweisen können, wie sicherheitsrelevante IT-Dienstleister bewertet und überwacht werden. Auch das Supplier Statement of Applicability erhält eine größere Bedeutung. Damit wird deutlich: Informationssicherheit endet nicht an der Unternehmensgrenze. Gerade in der automobilen Lieferkette müssen externe Dienstleister, Plattformen, Entwicklungsumgebungen und sonstige Partner strukturiert in das Sicherheits- und Risikomanagement einbezogen werden.
Prototypenschutz wurde überarbeitet
Das Modul „Prototype Protection“ wurde nach Angaben des VDA vollständig überarbeitet. Controls wurden zusammengeführt, organisatorische Anforderungen ergänzt und veraltete Inhalte entfernt. Für Unternehmen, die mit Prototypen, Vorserieninformationen, Entwicklungsdaten oder besonders schutzbedürftigen Projektinformationen arbeiten, ist das ein wichtiger Punkt. Prototypenschutz ist nicht nur eine Frage der IT. Er betrifft auch Zutritt, Rollen, Schulungen, Geheimhaltung, Dokumentation und organisatorische Abläufe.
TISAX® im größeren Kontext: Wirtschaftsschutz und Resilienz
Die Änderungen stehen in einem größeren Zusammenhang. Der VDA beschreibt Wirtschaftsschutz als ganzheitlichen Ansatz zum Schutz von Unternehmen, Technologien, Know-how und Lieferketten. Informationssicherheit, Cybersicherheit, Geheimschutz, Produktschutz, Krisenmanagement und physische Sicherheit greifen dabei ineinander.
Auch gesetzliche Entwicklungen wie das KRITIS-Dachgesetz zeigen, dass Resilienz, physische Sicherheit und der Schutz kritischer Anlagen stärker in den Fokus rücken. Das KRITIS-Dachgesetz ist am 17. März 2026 in Kraft getreten.
Nicht jedes Unternehmen der Automobilindustrie ist unmittelbar KRITIS-reguliert. Der Erwartungsdruck steigt aber dennoch: durch Kunden, Auditoren, Versicherer und Geschäftspartner.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
Unternehmen sollten den VDA ISA 2027 frühzeitig zum Anlass nehmen, ihre bestehenden Strukturen zu prüfen. Besonders relevant sind:
- Abgleich bestehender Richtlinien und Nachweise mit dem VDA ISA 2027,
- Prüfung der Zuständigkeiten für Informationssicherheit, Datenschutz, IT, Compliance und Einkauf,
- Bewertung des Lieferanten- und Dienstleistermanagements,
- Überprüfung des Prototypenschutzes,
- Aktualisierung von Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen,
- Erstellung eines realistischen Maßnahmenplans.
Unsere Einschätzung:
TISAX® entwickelt sich weiter in Richtung eines stärker integrierten Sicherheits- und Governance-Ansatzes. Wer die Anforderungen erst kurz vor dem Assessment prüft, gerät schnell unter Zeitdruck. Sinnvoller ist ein frühzeitiger Abgleich: Was ist bereits vorhanden? Was muss angepasst werden? Und welche Nachweise fehlen noch?
Wir unterstützen Sie
AdOrga Solutions unterstützt Unternehmen bei der Einordnung des VDA ISA 2027 und bei der praxisnahen Vorbereitung auf TISAX®-Anforderungen.
Unsere Expertise liegt an den Schnittstellen von Datenschutz, Informationssicherheit, Compliance und Governance. Wir unterstützen insbesondere bei Gap-Analysen, Dokumentationsprüfung, Lieferantenmanagement, Datenschutz- und Compliance-Schnittstellen, Schulungen sowie bei der Strukturierung konkreter Maßnahmenpläne.
Sie möchten wissen, wo Ihr Unternehmen steht? Sprechen Sie uns gerne an: consulting@adorgasolutions.de
Auf Anfrage stellen wir Ihnen außerdem unsere kompakte Checkliste „VDA ISA 2027 / TISAX® – erste Prüfpunkte für Unternehmen“ zur Verfügung.
Quellen
- Die Bundesregierung: Stärkerer Schutz kritischer Infrastrukturen
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kritis-dachgesetz-2383682?utm_source=chatgpt.com - Dachgesetz zur Stärkung der physischen Resilienz kritischer Anlagen (KRITIS-Dachgesetz – KRITSDachG)
https://www.gesetze-im-internet.de/kritisdachg/BJNR0420B0026.html?utm_source=chatgpt.com - VDA Stellungnahme KRITIS-V Juni 2026
https://www.vda.de/dam/jcr:74567b46-0767-44a8-ac1a-ccbefc7c1d5b/VDA%20Stellungnahme%20KRITIS%20VO_Juni%202026.pdf?mode=view


