
Die neue ISO 19011:20251 sorgt für frischen Wind in der Auditpraxis. Sie stärkt den risikoorientierten Ansatz, fördert den Dialog und erweitert den Blick auf Nachhaltigkeit und Klimarisiken. Insbesondere für Datenschutzbeauftragte und Compliance-Beauftragte eröffnet sich dadurch eine neue Möglichkeit, Audits als wirksames Instrument zur kontinuierlichen Verbesserung und zur gelebten Rechenschaftspflicht zu nutzen.
Mit der Revision der ISO 19011:2025 erhält der internationale Leitfaden für Managementsystem-Audits ein Update, das weit über reine Formalien hinausgeht. Die überarbeitete Norm trägt der zunehmenden Dynamik in Organisationen Rechnung und stärkt den risikoorientierten, lernbasierten Ansatz – ein Aspekt, was insbesondere für Datenschutzbeauftragte und Compliance Officer von Bedeutung ist.
1. Auditprogramme: Flexibler und risikobasierter steuern
Kapitel 5 wurde umfassend erweitert. Auditprogramme sollen künftig stärker an den tatsächlichen Risiken und Chancen einer Organisation ausgerichtet werden. Für Datenschutz- und Compliance-Managementsysteme bedeutet das: Auditschwerpunkte sollten dort gesetzt werden, wo potenziell erhebliche Verstöße gegen die DSGVO, interne Richtlinien oder gesetzliche Pflichten drohen.
2. Audits als Dialog und Lernprozess
Die Revision betont, dass Audits nicht nur Kontrolle, sondern auch Kommunikation sind. Ein Audit kann nur dann wirksam sein, wenn es die Mitarbeitenden einbindet und Wissen generiert. Für Datenschutzbeauftragte eröffnet dieser Ansatz die Chance, Audits als Mittel zur Sensibilisierung und zur Förderung einer gelebten Datenschutzkultur zu nutzen – weg von der „Prüfungsangst“, hin zu einem offenen Lernprozess.
3. Fokus auf Chancen und Risiken
Audits sollen sich künftig gezielt auf Themen konzentrieren, die für die Organisation die größten Risiken oder Verbesserungspotenziale bergen. Das schließt auch strategische Aspekte ein – etwa den Umgang mit KI-Systemen, internationalen Datentransfers oder Compliance-Verpflichtungen im Lieferkettenkontext. Für Compliance Officer bietet die neue Ausrichtung die Möglichkeit, Auditziele enger mit dem unternehmensweiten Risikomanagement zu verzahnen.
4. Klimabezogene Aspekte im Auditkontext
Erstmals bezieht die ISO 19011 auch klimabezogene Risiken und Chancen ein. Organisationen werden aufgefordert, ihre Nachhaltigkeitsverantwortung in Audits zu reflektieren. Für Datenschutz- und Compliance-Verantwortliche kann das bedeuten, Schnittstellen zu ESG-Berichterstattung, Lieferkettensorgfaltspflichten und Nachhaltigkeits-Governance frühzeitig mitzudenken.
5. Bewährtes bleibt – Diskussionen gehen weiter
Trotz der Überarbeitung bleiben einige bekannte Fragen offen. Weder die Abgrenzung zwischen internem Audit und interner Revision noch die Einbindung der ISO 31000-Systematik wurde umgesetzt. Gerade für interdisziplinär arbeitende Datenschutz- und Compliance-Teams bleibt hier Interpretations- und Gestaltungsraum.
Fazit
Die ISO 19011:2025 markiert einen Schritt hin zu einem integrierten, risikoorientierten und lernfördernden Auditverständnis. Für Datenschutz- und Compliance-Beauftragte bietet sie eine wertvolle Orientierung, um Audits nicht nur als Pflicht, sondern als Instrument der Organisationsentwicklung, Rechenschaftspflicht und kontinuierlichen Verbesserung zu begreifen.
Audits sind mehr als Kontrolle – sie sind ein strategisches Werkzeug zur Stärkung von Vertrauen, Compliance und gelebtem Datenschutz. Wenn Sie Ihr Auditprogramm an die neuen Anforderungen anpassen oder Datenschutz und Compliance systematisch in Ihre Managementprozesse integrieren möchten, unterstützen wir Sie gerne mit unserer Expertise.
Kontaktieren Sie uns: consulting@AdOrgaSolutions.de.
1 https://www.dinmedia.de/de/norm-entwurf/din-en-iso-19011/389946981
https://www.adorgasolutions.de/datenschutz/compliance/compliance-management/


